- Kostenfreie Erstberatung -
23. Januar 2025

Vorsicht: Betrüger geben sich als Ärzte beim Militär oder UNO aus

Lesezeit: 7 Minuten

Autorin: Svenja Meismann, Member Board of Directors World Association of Detectives

Immer wieder erhalten wir Nachrichten von Frauen, die Opfer von Heiratsschwindlern geworden sind. Viele dieser Frauen berichten eine ganz ähnliche Geschichte. Dieses Vorgehen ist Liebesbetrug oder im Neudeutschen Love Scamming und in diesem Artikel erfahren Sie, wie die Masche als Militärarzt oder UN-Arzt in Jemen funktioniert.

Love Scamming: Betrügerische Maschen erklärt

Die Begriffe Love Scamming und Romance Scamming stehen für perfide Betrugsmaschen, bei denen Kriminelle gezielt emotionale Bindungen vortäuschen, um Vertrauen zu gewinnen und finanzielle Vorteile zu erlangen. Betroffene entwickeln dabei starke Gefühle für die vermeintliche Bezugsperson, nur um später festzustellen, dass ihre Emotionen gezielt manipuliert wurden.

Bei diesen Betrugsstrategien wenden sich Betrüger über soziale Netzwerke, Dating-Plattformen oder Messenger-Apps an ihre Opfer wenden. Dabei geben sie sich als vertrauenswürdige Personen aus - zum Beispiel als Arzt im Jemen oder dem Irak oder anderen Ländern, Soldat im Auslandseinsatz oder erfolgreicher Geschäftsmann im Im-und Export. Ziel ist es, durch vorgetäuschte Liebe oder emotionale Nähe Geld, persönliche Informationen oder wertvolle Daten zu ergaunern.

Wie erzeugen Betrüger Vertrauen?

Betrüger nutzen geschickte Strategien, um Vertrauen und eine emotionale Bindung aufzubauen. Dazu gehören

  • Betrüger stellen sich auf die Interessen und Vorlieben ihrer Opfer ein. Sie geben beispielsweise vor, die gleichen Hobbys zu haben, sich in der gleichen Lebenssituation zu befinden oder ähnliche Werte zu teilen.
  • Gerne schildern Betrüger dramatische persönliche Umstände, um Mitleid zu erregen, z.B. ein krankes Familienmitglied oder finanzielle Probleme aufgrund einer Krise.
  • Meist wird innerhalb kurzer Zeit von „Liebe“ gesprochen, um das Opfer in eine emotionale Abhängigkeit zu bringen.

Es beginnt mit einer einfachen Kontaktaufnahme

Die Betrüger suchen ihre Opfer überall. Besonders beliebt sind soziale Netzwerke und Dating Seiten. Auf Facebook, Instagram, Lavoo, Finya und vielen anderen Seiten mehr schreiben die Betrüger ahnungslose Frauen an.

Am Anfang ist es nur ein einfacher Chat. Dein Foto ist mir aufgefallen, du lachst so schön, du bist ein Typ wie meine verstorbene Frau, deine Ausstrahlung gefällt mir und so weiter.

Die Männer sagen, sie seien Arzt beim Militär oder UN

Selber haben diese Männer ein nettes Foto in ihrem Profil. Auf Nachfrage erklären Sie, dass sie Militärarzt sind. Als solcher sind sie nun in einem humanitären Kriseneinsatz. Dazu geben sie an, sie seien in Afghanistan, Syrien, dem Jemen, Sudan, dem Irak oder einem anderen Brennpunkt dieser Welt.

Sie erklären, sie seien im Auftrag der NATO oder der UNO unterwegs und würden täglich unter schlimmen Bedingungen viele Leben retten.

Die Männer suchen angeblich eine Partnerin

Schnell kommen sie zur Sache. Das Alleinsein an der Front oder in dem Krisengebiet sei nicht schön. Die meisten geben sich als Witwer aus. Natürlich gibt es noch ein minderjähriges Kind, das irgendwo auf der Welt in einem Internat lebt. Manche sind auch nur geschieden und wurden von der Frau einfach verlassen, weil diese mit einem anderen durchgebrannt sei.

Jetzt wäre es an der Zeit, sich neu zu verlieben. Und schon haben sie den Punkt erreicht, um den es geht. Die angeschrieben Frauen erhalten viele Komplimente, tägliche Aufmerksamkeit, zahllose Nachrichten und auch Anrufe.

Nach kurzer Zeit erklären die Männer, sie hätten sich unsterblich in die Frau in dem fernen Land verliebt. Genau so eine Frau hätten sie schon immer gesucht.

Täter beschreiben die gemeinsame Zukunft in schönsten Farben

Die Männer kommen schnell zum Punkt: Sie wollen mit der Frau ein neues Leben beginnen. Eine gemeinsame Zukunft in dem Land, in dem die Frau lebt. Dabei ist es egal, ob die Männer mit Frauen aus Deutschland, der Schweiz, Luxemburg, Österreich, Liechtenstein, den Niederlanden oder einem anderen Land schreiben. Die Texte sind immer gleich.

Innerhalb kürzester Zeit heißen die Frauen nur noch Honey, My Dear, My Love und so weiter. Es wird von einer gemeinsamen Zukunft gesprochen und auch das im Internat lebende Kind wird schnell mit einbezogen.

Er erzählt von seiner Arbeit als Arzt und will zu ihr kommen

Er berichtet, wie schwer und gefährlich die Arbeit in dem Krisengebiet ist und er träumt davon, seine neue Frau zu besuchen. Schnell schmiedet er Pläne. Und dann schnappt die Falle zu. Die gängigsten Maschen sind die folgenden.

Der Urlaubsantrag

Er sagt, er müsse einen Urlaubsantrag stellen. Das könne er direkt bei der UN oder bei einem General machen. Er könnte dann den Urlaub bekommen, aber es gibt einen Haken. Wenn er den Kriseneinsatz verlässt, muss er ersetzt werden, denn nur dann bekommt er Urlaub. Aber dieser Ersatzarzt kostet Geld. Er hat aber gerade keinen Zugriff auf sein Geld oder er hat wegen einer Investition gerade kein Bargeld.

Wenn die Frau also möchte, dass er zu ihr kommt und sie in die Arme schließt, müsste sie ihm kurzzeitig finanziell aushelfen. Wenn er einen Ersatzarzt aus den USA einfliegen lässt, kostet das zum Beispiel 4000 Dollar. Dieser Preis variiert je nach Beruf der Dame seines Herzens. Schon früh hat er sich erkundigt, wie viel Geld sie hat.

Er hat auch gleich eine Alternative parat. Wenn der Ersatzarzt nicht aus den USA, sondern aus Ghana, Nigeria, Indonesien, Malaysia oder anderen Ländern käme, müsste er nur 2500 Dollar für die Urlaubsvertretung bezahlen.

Gleichzeitig erhält die Frau gefälschte E-Mails von der UNO, in denen genau dieser Urlaubsantrag erwähnt wird. Die Summe soll dann per Western Union oder per Banküberweisung oder in Bitcoins bezahlt werden.

Zahlt sie, ist das Geld weg und eine plausible Ausrede für das Nichterscheinen kommt.

Der Geldkoffer

Der Arzt hat sein Geld für seine jahrelange Arbeit für die UNO in bar ausgezahlt bekommen. Das Geld liegt nun in einem Tresor einer Security Firma. Dieser Koffer enthält genügend Bargeld, um ein neues gemeinsames Leben mit der Frau anzufangen.

Weil es zu gefährlich sei, das Geld im Flugzeug mitzunehmen, wolle er es mit Hilfe der Security Firma zu der Frau schicken lassen, damit sie dieses entgegen nimmt und aufbewahrt.

Dazu muss die Frau zunächst eine Kopie ihres Personalausweises schicken. Diesen benötigen die Täter später für weitere Betrügereien. Ist der Ausweis abgeschickt, geht der Koffer auf die Reise. Dazu bekommt die Frau sogar eine Trackingnummer von der Sicherheitsfirma und einem Transportdienst. Online kann sie dann sehen, wo er sich gerade befindet.

Doch nach kurzer Zeit gibt es Probleme. Es fehlen Zertifikate, eine Antiterrorbescheinigung, eine Zollbescheinigung, eine Bestätigung nach dem Geldwäschegesetz und so weiter. Leider kosten diese Papiere Geld. Das kann der Arzt aber nicht bezahlen, weil er sein ganzes Geld in der Kasse hat.

In dem Augenblick bittet er seine zukünftige Frau, sie möge das Geld für ihn auslegen. Sobald der Koffer da sei, könne sie das Geld wieder herausnehmen. Hat sie einmal bezahlt, gibt es immer wieder neue Probleme und manchmal kann nur noch ein sogenannter Diplomat helfen, der allerdings auch Geld kostet.

Unnötig zu sagen, dass der Koffer mit dem Geld nie ankommt. Die Webseiten, auf denen man die Lieferung verfolgen kann, wurden extra für den Betrug eingerichtet und sind nicht echt.

Der Goldfund

In dem fernen Land hat er Gold gefunden oder von einem Stammesfürsten, dem er das Leben gerettet hat, als Dank erhalten. Dieses Gold muss er nun aus dem Land schaffen. Dabei helfen ihm natürlich wieder eine Sicherheitsfirma und ein Diplomat. Genau wie bei der Kiste mit dem Geld im vorherigen Abschnitt gibt es auch bei der Goldkiste die gleichen Probleme.

Auch hier zahlt die Frau immer wieder, ohne das Geld je zu sehen. Denn es gibt kein Gold. Die Webseiten, auf denen das Paket verfolgt werden kann, sind natürlich gefälscht.

Der Trick mit dem Konto

Der Arzt hat ein Konto bei einer Online-Bank. Dazu verwendet er eine Domain, die bis auf einen Buchstaben oder eine Zahl mit der einer echten Bank identisch ist. Auf den ersten Blick scheint die Bank echt zu sein.

Der Mann hat sein ganzes Geld auf dem Konto. Da er aber in Syrien oder einem anderen Kriegsgebiet keinen Zugang zur Bank hat, vertraut er der Frau die Zugangsdaten zu seinem Konto an. Als diese sich nun einloggt, sieht sie, dass sehr viel Geld auf dem Konto ist.

Daraufhin bittet er sie, eine dringende Überweisung zu tätigen, zum Beispiel weil das im Internat lebende Kind einen Unfall hatte und sehr schnell Geld für die Operation oder Behandlung überwiesen werden muss. Dazu gibt er eine Bankverbindung an und bittet seine Frau, diese sehr dringende Überweisung zu tätigen.

Die Frau loggt sich ein und stellt fest, dass sie die Überweisung nicht ausführen kann. Trotz aller Bemühungen klappt es einfach nicht. Das teilt sie ihm mit. Er ist natürlich entsetzt. Nun gibt es zwei verschiedene Betrugsversuche.

Zum einen bittet er die Frau, das Geld in der Zwischenzeit von ihrem eigenen Konto zu überweisen oder per Western Union zu schicken, da das Kind in Lebensgefahr sei.

Die andere Alternative ist, dass er der Frau sagt, sie brauche eine Transaktionsfreigabe oder eine TAN-Liste. Für beides müsse sie aber Gebühren bezahlen. Sonst könne sie nicht auf das Konto zugreifen. Weil die Operation für das Kind so dringend sei, bittet der Arzt die Frau, das Geld bis dahin zu deponieren.

Natürlich ist das Konto nicht echt und es befindet sich kein Geld darauf. Das soll nur Vertrauen schaffen.

Es ist immer Betrug, egal wie die Geschichte lautet

Die oben genannten Beispiele sind nur einige der üblichen Maschen der Betrüger. Die Geschichten sind immer phantasievoll und variieren von Mal zu Mal.

Eines haben aber alle Geschichten gemeinsam: Der Arzt hat ein abenteuerliches Leben und will aus dem Krisengebiet zu der Frau seines Herzens. Dabei geht immer etwas schief und am Ende muss immer die Frau für irgendetwas büßen.

Unser Rat: Finger weg von Kontakten mit Ärzten, die angeblich im Humanitären Einsatz sind

Wenn Sie unaufgefordert von einem Arzt kontaktiert werden, der angeblich im Auftrag der UNO unterwegs ist, sollten Sie skeptisch sein. Es ist leider davon auszugehen, dass er nicht echt ist. Natürlich gibt es auch echte Ärzte, aber ob es sich bei Ihrem um einen echten Arzt handelt, ist fraglich.

Wenn Sie es ganz sicher wissen wollen, kann ein Privatdetektiv für Sie überprüfen, ob der Mann wirklich ein amerikanischer Arzt ist oder nicht. Diese Überprüfung in den USA ist kostenpflichtig, bringt aber endgültige Gewissheit.

Lassen Sie sich im Zweifelsfall von einem Detektiv beraten, welche Möglichkeiten Sie haben und wie Sie sich absichern können:

0800 – 11 12 13 14

Warnhinweise und Präventive Maßnahmen gegen Online-Dating-Betrug

Online-Dating-Betrug ist eine weit verbreitete Gefahr, der viele Menschen zum Opfer fallen. Das gilt besonders dann, wenn sie ihre Wachsamkeit auf Plattformen wie Tinder, Bumble oder sozialen Netzwerken verlieren. Um sich besser zu schützen, sollten Nutzer einige grundlegende Sicherheitsmaßnahmen beachten:

  1. Wenn jemand innerhalb kurzer Zeit sehr persönliche oder intime Gespräche führen möchte, ist Vorsicht geboten. Betrüger setzen oft darauf, das Vertrauen schnell zu gewinnen.
  2. Viele Betrüger geben widersprüchliche Angaben zu ihrem Beruf, Wohnort oder ihrer Vergangenheit. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass etwas nicht stimmt.
  3. Geschichten über Notlagen, finanzielle Engpässe oder Tragödien sind klassische Taktiken, um Geld oder Unterstützung zu erbitten.

Praktische Tipps zur Vermeidung von Betrug

  1. Veröffentlichen Sie keine sensiblen Informationen wie Ihre Adresse, Telefonnummer oder finanzielle Details auf Dating-Plattformen oder sozialen Netzwerken.
  2. Fake-Profile nutzen zumeist gestohlene oder bearbeitete Fotos. Eine Rückwärtssuche des Profilbilds über Suchmaschinen kann schon Klarheit schaffen.
  3. Seriöse Kontakte werden niemals Geld von Ihnen verlangen, insbesondere wenn Sie die Person noch nie im echten Leben getroffen haben.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Kontakt

Quellen: Statistisches Bundesamt, Wiesbaden, Genesis-Online, Datenlizenz by-2-0, eigene Darstellung und Berechnung. Bitte beachten Sie, dass es sich bei den auf dieser Webseite angegebenen Städten nicht um Büros oder Betriebsstätten unserer Detektei handelt. Es sind vielmehr wiederkehrende, einmalige oder zukünftige Einsatzorte. Die dargestellten Fälle dienen als im Einzelfall fiktive Fallbeispiele zur Veranschaulichung von Detektivarbeit. Dieser Hinweis ist ausdrücklich als permanenter Bestandteil dieser Webseite zu verstehen. Er gilt insbesondere auf allen Seiten, auf denen er angezeigt wird.

© Copyright 2024 · Privatdetektiv.de · Ihr professioneller Privatdetektiv.
crossmenu